Die Geschichte des WSB

Am 09. September 1945 trafen sich im Lokal Ferdinand Fritsch 69 Personen, um einen Wassersportverein zu gründen. Der Krieg war erst wenige Monate zu Ende, Bochum war zerstört und stand unter britischer Militärverwaltung. Die Militärverwaltung hatte sämtliche Sportvereine aufgelöst und verboten. Es waren Bedingungen, die man sich aus heutiger Sicht kaum vorstellen kann. Es gab oft nicht genug zu essen, geschweige denn Autos; wer ein Fahrrad hatte, war reich. Es waren für die Vereinsgründer die Anfänge, ihre Freizeit gemeinsam zu verbringen, viele kannten sich aus den 30er Jahren. In den frühen 30er Jahren gab es zahlreiche junge Arbeitslose, die im Sommer auf den Ruhrinseln an der alten Fähre zelteten und lebten. Sie verbrachten, teilweise aus Not, aber auch aus Liebe zur Natur und zu einem freien Leben ihre Zeit gemeinsam dort. Einige waren sogenannte „Freie Schwimmer", einige hatten ein Boot im Bootshaus von Diergardt, die meisten besaßen jedoch nichts.
Ähnliche Gruppen gab es auch an anderen Orten an der Ruhr, z.B. an der Kosterbrücke. Auch während der Zeit des Nationalsozialismus gab es neben dem Deutschen Kanu-Verband — DKV - noch freie Paddler, man traf sich und versuchte, weiter ein freies Leben zu leben. Die meisten kamen aus der Arbeiterbewegung und waren in Organisationen der Nationalsozialisten kaum einzubinden. Nach dem Krieg trafen sich die Aktiven aus den früheren Gruppen, um den Wassersportverein zu gründen. Das Bootshaus an der Kosterbrücke war durch die Flutwelle nach der Sprengung der Möhnetalsperrre zerstört, das Bootshaus bei Diergardt war jedoch unbeschädigt geblieben.
 
Die Vereinsgründer konnten die Militärregierung überzeugen, dass sie politisch unbelastet waren und bekamen so die Genehmigung zur Gründung des Groß-Wassersportvereins Bochum. An den Ruinen der ehemaligen Harmonie in der Kortumstraße, wurde ein Informationskasten angebracht, um neue Mitglieder zu werben; von Diergardt konnte das Bootshaus gepachtet werden. Ein großer Teil der dort aufbewahrten Boote hatte den Krieg überstanden, so dass sofort mit dem Wasserwandersport begonnen werden konnte. Der Verein wuchs schnell auf 200 aktive und passive Mitglieder an.
Schon vor der Währungsreform, in den Jahren 1946, 1947 und 1948 konnten, wenn auch oft mit provisori­schen Mitteln, die ersten Vereinswochenend- und Urlaubsfahrten organisiert werden. Das war für die damalige Zeit etwas Außergewöhnliches. In den Jahren von 1947 bis 1949 organisierte zweiwöchige Urlaubsfahrten auf Weser, Rhein und Mosel, zum Edersee und nach Baltrum waren die Höhepunkte des Vereinslebens. Aus Mangel an einem Vereinsgelände wurde auf der Insel an der alten Fähre gezeltet. Viele Aktivitäten des Vereins wurden erst durch die Unterstützung des Vereinswirte- Ehepaares Emil und Hedwig Diergardt, Gustav, den Fährmann und Heinrich Feldermann, der über Jahre an fast jedem Wochenende kostenlos einen LKW mit dem Fahrer Heinrich Pohlmüller zur Verfügung stellte, ermöglicht.
 
Der erste Vorsitzende des WSB war von 1946 bis 1946 Hans Bousardt, gefolgt von Rudi Sommerlad, Heinrich Feldermann, Willi Kräußling und Hans Schulte. Nach der Währungsreform 1948 ging es materiell schnell aufwärts. Es kamen die Motorräder, die Kabinenroller, VW-Kafer und so ging es weiter. Aber der wirtschaftliche Aufschwung hatte auch seine Schattenseiten. Statt mit dem Boot zu wandern, besann sich mancher auf das bequeme Motorfahrzeug, dadurch wurden manchmal auch das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Kameradschaft in Mitleidenschaft gezogen. Durch die Begradigung und Kanalisierung mancher Flussläufe ging ursprüngliche Natur verloren. Die Verunreinigung der Gewässer und die Umweltverschmutzung wurden zunehmend ein Thema, das für Wasserwanderer mit ihrem besonders engen Verhältnis zur Natur aktuell war, bevor andere sich darum irgendwelche Gedanken machten.
 
Im Jahre 1964 übernahm dann einer der aktivsten Wanderfahrer, Hans Gummi, der damals schon das Wanderfahrerabzeichen Gold X hatte, die Vereinsführung. Zu den Faltbooten kamen die starren Boote. Eine Jugend­ und eine Slalomgruppe wurden gegründet, die Wanderfahrten wurden auf
Wildwasserflüsse ausgedehnt und an Wettkämpfen wurde mit Erfolg teilgenommen. Im Jahre 1971 konnte das 25 jährige Jubiläum gefeiert werden. Es war jedoch ein Jahr mit Licht und Schatten. Zunächst kam es zur Kündigung des Bootshauspachtvertrages, die weitere Existenz des Vereins schien in Gefahr. Mit Unterstützung des Sportdezernenten Blöslnger und des Sportamtsleiters Mahlendorf konnte dann aber doch eine Vertrags­verlängerung erreicht wer­den. Außerdem konnte 1971 ein Gelände in unmittelbarer Nähe des Bootshauses als Freizeit- und Sportgelände gepachtet werden. Nach Hans Gummi wurde der Verein von Ernst Gebehart, Magdalene Voß, Gerd Gebehart, Dirk Voß und Franz Loeneke geführt. In sehr viel Eigenarbeit wurden sowohl das Bootshaus umgebaut und reno­viert, als auch das Freizeit- und Sportgelände hergerichtet; Toiletten und Waschräume wurden geschaffen. Neue Mitglieder konnten aufgenommen werden und weitere vereinseigene Slalom- und Abfahrtsboote wurden angeschafft. Der Verein nahm einen Aufschwung, besonderer Wert wurde auf die Jugendarbeit gelegt. Durch hartes Training auf der Ruhr und in der Schwimmhalle wurde die Eskimorolle bald eine gekonnte Übung der Jugendlichen. Die Wanderfahrer waren in Deutschland, Österreich, Italien, der Schweiz, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Finnland, Schweden und Jugoslawien unterwegs und legten im Jahre 1974 insgesamt 12098 km zurück.
 
Im Jahre 1961 wurde erneut eine große Aufgabe in Angriff genommen. Zunächst wurde der Jugendraum von Grund auf erneuert, anschließend wurde der daneben liegen­de Raum ausge­baut. In den folgenden Jahren wurde der Schwerpunkt auf das Vereinsleben auf dem Freizeit­ und Sportgelände gelegt. Die Jugend­arbeit konnte inten­siviert werden, und die Zukunft des Vereines erscheint auch nach den folgenden ruhigeren Jahren im Jahre des 50 jährigen Jubiläums 1996 gesichert. Die Mitgliederzahl konnte bei etwa 160 Mitgliedern stabilisiert werden. Der Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten liegt wieder beim Kanuwandern. Die Jugend­arbeit und die Liebe zum Leben in der Natur werden weiter besonders gepflegt.
Quelle: "50 Jahre Wassersportverein Bochum e.V., 1946-1996" Jubiläums-Broschüre

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